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Vergiss Dein nicht – Selbstfürsorge: ein erster Schritt zur Besserung

„Es sitzt mir im Nacken. Ich habe die Nase voll. Es ist nicht mehr zu ertragen. Das schnürt mir die Luft ab. Ich kann das nicht mehr hören! Die Arbeit erdrückt mich…“

Diese oder ähnliche Sätze kennen Sie vielleicht von sich oder anderen. Es ist natürlich nicht die Steuererklärung selbst, die uns im Nacken sitzt oder der Streitpartner, der mir die Luft abschnürt. Trotzdem stellen wir in unseren Beratungen und Coachings – und auch bei uns selbst – fest, diese Sätze verdienen durchaus Beachtung, denn sie stellen häufig (nicht immer) einen Zusammenhang zwischen einem inneren Thema und körperlichen Beschwerden dar. Ein Klient begleitet neben eigener Berufstätigkeit die schwere Krankheit der Ehepartnerin und fängt deren Kinder auf. Die Belastung ist auf Dauer sehr groß und er bekommt Rückenschmerzen – ein Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und körperlicher Beschwerden liegt nahe. Das klingt vielleicht im ersten Moment nach „Hokuspokus“, hat aber ganz rationale Gründe. Dauerstress und Angst belasten den Klienten über mehrere Jahre und wirken sich irgendwann körperlich aus. Stress verursacht Verspannungen und Anspannungen, die zu Fehlhaltungen führen können. Zudem fehlt in solch schwierigen Lebenssituationen die Zeit für Erholung, Ausgleich und Selbstfürsorge. Der Klient kümmert sich um die anderen und nicht genug um sich selbst. Der Körper sendet am Anfang kleine Signale wie leichte Verspannungen oder Anzeichen von Erschöpfung. Wird darauf nicht reagiert, schaltet der Körper einen Gang höher und reagiert beispielsweise mit stärkeren Schmerzen, Tinnitus, Hörsturz, Verdauungsproblemen, Kreislauferkrankungen oder Schlafstörungen, um auf die Überlastung aufmerksam zu machen.

Könnte unser Körper es in Worte fassen, würde er vermutlich sagen: „Das ist mir zu viel! Ich brauche Hilfe!“

Nicht jeder Schmerz ist ein Symptom mentaler Überlastung. Aber eine länger andauernde seelische Belastung wirkt sich auf den Körper aus und kann zur Verschlimmerung von bereits bestehenden Beschwerden und Symptomen führen. Ob Kopfschmerzen, Tinnitus oder Verspannungen: Es lohnt sich, die Zusammenhänge innerer Anspannung und körperlicher Symptome zu beleuchten. Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie über mögliche Ursachen von körperlichen Beschwerden nachdenken? In der Introvision begegnen wir immer wieder dem Phänomen der körperlichen Beschwerden, die im Zusammenhang mit inneren Themen auftauchen. Sie sind ein guter Wegweiser zu dahinter liegenden Ursachen. Bei dem rational gesehen harmlosen Thema Steuererklärung könnte es so aussehen: „Immer wenn ich an den ganzen Papierkram denke, bekomme ich Bauchschmerzen.“ Vermutlich kommen die Bauchschmerzen auch in anderen Situationen vor und eventuell sind diese Situationen alle mit einem Kernthema verbunden. In unserer Praxis begegnen uns beispielsweise folgende Kernthemen im Zusammenhang mit Steuererklärung: „Kontrolle behalten!“ (wenn ich die Steuererklärung abgebe, kann ich nicht mehr darauf zugreifen und verliere die Kontrolle) oder „Ich darf keine Fehler machen!“ (wenn ich einen Fehler mache, kehren sich alle von mir ab und ich bin allein). Die Kernthemen betreffen meistens sehr viele Lebensbereiche und stammen meistens aus einem früheren Lebensabschnitt. Sie sind einem zunächst nicht bewusst, schlummern im Untergrund und machen sich mit Unwohlsein, Anspannung und diversen körperlichen Symptomen bemerkbar. Übergehe ich die leisen Symptome, werden womöglich härtere Geschütze aufgefahren. So kann ein Kreislauf entstehen, der schwer zu unterbrechen ist.

SchmerzkreislaufAusweg aus dem Schmerzkreislauf

Mit Introvision kann ich lernen, diesen Symptomen und Themen auf die Spur zu kommen (siehe Beitrag zu Selbstintrovision). Sie verlieren möglicherweise ihren Schrecken. Das klingt zunächst einfach, ist es aber leider nicht. Denn dazu ist es notwendig, den sehr unangenehmen Gedanken und Gefühlen immer wieder gezielt Aufmerksamkeit zu schenken. Genauso ist es mit den dazugehörigen Symptomen. Bei einer kleinen Verspannung ist es noch leicht vorstellbar, aber soll ich meiner Migräne oder meinem Tinnitus noch mehr Aufmerksamkeit geben und wenn ja, wie soll ich das machen? Wird es dann nicht noch viel schlimmer? Diese Sorge haben die meisten unserer Klient*innen, die unter starken körperlichen Beschwerden leiden. Dies können wir gut nachvollziehen, dennoch haben wir in unserer langjährigen Beratungspraxis immer wieder die Wirksamkeit von Introvision erleben dürfen. Welche Veränderungen möglich sind, wenn der Schmerz nicht mehr als zusätzlicher Stressor funktioniert, zeigen diverse Studien zur Wirksamkeit von Introvision (Hinweise zu den Studien: siehe unten). Schritt für Schritt können Schmerzen als „zur Zeit anwesender Teil von mir“ anerkannt werden und manche Klient*innen betrachten ihre Schmerzen anschließend sogar eher als Freund denn als Feind. Das Ziel ist, nicht mehr gegen den Schmerz oder die Existenz der Beschwerden anzukämpfen. Gelingt es mir anzuerkennen, dass sie da sind, können die Symptome als persönliches Frühwarnsystem positiv genutzt werden anstatt zusätzlich den Schmerzkreislauf anzuheizen. Höre ich die Signale, die mir mein Körper sendet und nehme sie ernst, kann ich früher reagieren und mir so rechtzeitig Ruhe oder Hilfe organisieren, bevor es mir noch schlechter geht und ich mich hilflos ausgeliefert fühle.

Zusammengefasst

Körperliche Beschwerden können mit mentaler Anspannung und inneren Konflikten zusammenhängen. Ist dies der Fall, gibt es mit Introvision Wege aus dem Schmerzkreislauf, die darauf beruhen, zunächst den Ist-Zustand (den Schmerz, die Anspannung, die Befürchtungen) aufmerksam und nicht-wertend wahrzunehmen. Dadurch wird dem Schmerz sinnbildlich Wind aus den Segeln genommen. In weiteren Schritten lassen sich mit Introvision die individuellen Auslöser der Anspannung und Schmerzen herauszufinden, um dann an den Ursachen arbeiten zu können. Im Idealfall verringert dies die Symptome und führt allgemein zu mehr Gelassenheit und Handlungsfähigkeit. Der erste Schritt, das Konstatierende Aufmerksame Wahrnehmen, wirkt sich häufig schon nach den ersten Übungen positiv aus. Die angenehme Erfahrung, mit der Übung für eine kurze Zeit aus dem Kreislauf aussteigen und zur Ruhe kommen zu können, öffnet die Tür einen Spalt in Richtung Handlungsfähigkeit. Unsere Klient*innen geben uns regelmäßig die Rückmeldung, dass die ersten Übungen schnell zu mehr Gelassenheit im Alltag geführt haben. Situationen wie zum Beispiel ein herausforderndes Gespräch im Job löst weniger Anspannung aus, wenn es gelingt zu konstatieren. Auf dem Weg zu einem wichtigen Termin einen Zug zu verpassen oder im Stau zu stehen, bringt nicht mehr so schnell an den Rand eines Nervenzusammenbruchs und als eine Klientin sich eingestanden hat, wie sehr ihr die Steuererklärung zu schaffen macht, bietet sich spontan ein Familienmitglied an, den Papierkram zu erledigen. Aus etwas Abstand auf Dinge zu schauen und mit relativ einfachen Mitteln den eigenen inneren Zustand beeinflussen zu können, erleichtert es aus dem Kreislauf auszusteigen oder aus einem Tunnel wieder herauszukommen. Es hilft dabei, Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme zu finden.

Wir können den Wind nicht ändern…

In der Introvision geht es um das Finden eines individuellen Umgangs mit Schmerzen und nicht darum, sie gänzlich zu eliminieren. Migräne beispielsweise ist eine neurologische Erkrankung. Das heißt, die Ursache wird mit Introvision nicht zu beheben sein. Die Studien zur Wirksamkeit von Introvision weisen sehr gute Ergebnisse auf: Für die meisten sind die Beschwerden zurückgegangen. Und auch die Teilnehmer*innen, die im Anschluss an die Intervention nicht symptomfrei waren, fühlten sich handlungsfähiger als vor ihrem Introvisionsprozess.
Der erste Schritt besteht immer darin, sich die Zeit für Selbstfürsorge zuzugestehen. Ein Schritt, der Ihnen niemand abnehmen kann – den können nur Sie selbst vollziehen. Also: Vergiss Dein nicht.

(Text: Sonja Löser und Petra Spille)

Buth, B. (2012). Introvision als Coachingmethode für Tinnitusbetroffene- Eine empirische Studie-. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Pereira Guedes, N. (geb. Pape) (2011). Dauerhafte Auflösung chronischer Nacken-/Muskelverspannungen durch Introvision: Eine empirische Untersuchung einer pädagogisch-psychologischen Intervention zur mentalen Selbstregulation. Dissertation.

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